Rede von Johanne Modder, MdL

 
 

Rede von Johanne Modder MdL, Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion zum 70-jährigen Jubiläum des Landes Niedersachsen

 

-Es gilt das gesprochene Wort -

Als die britische Militärregierung vor nunmehr 70 Jahren beschloss, das Land Niedersachsen aus den Kernländern Braunschweig, Oldenburg, Schaumburg-Lippe und Hannover zu gründen, da hätten sich wohl nur die wenigsten Zeitgenossen träumen lassen, was für eine großartige Erfolgsgeschichte dieses Bundesland nehmen würde.

Die Vorzeichen waren ja auch alles andere als rosig: Europa, Deutschland und damit auch das neu gegründete Land Niedersachsen litten noch immer unter den verheerenden Folgen, die der nationalsozialistische Wahn und der grausame Angriffskrieg dieses Terrorregimes hinterlassen hatten.

Die Menschen in Deutschland litten Not: Nicht nur materiell, auch moralisch war durch den systematischen, staatlich organisierten Mord an Millionen von jüdischen Mitbürgern und anderen Feinden des NS-Regimes jegliche Legitimation, jegliche Orientierung verloren gegangen.

Der erste Ministerpräsident dieses Landes, der Sozialdemokrat Hinrich Wilhelm Kopf, wurde zunächst noch von der Militärregierung eingesetzt und erst später durch freie Wahlen im Amt bestätigt.

Es ist nicht zu leugnen: Unser Bundesland Niedersachsen war zur Zeit seiner Gründung ein künstliches Gebilde.

Besonders die bis dahin unabhängigen Länder Braunschweig und Oldenburg verstanden sich traditionell als sehr eigenständig und waren nicht sonderlich interessiert daran, zukünftig aus Hannover regiert zu werden.Ein Aspekt, der das neue Bundesland Niedersachsen in den ersten Jahren seiner Geschichte maßgeblich geprägt hat, war die Versorgung von 2,5 Millionen Geflüchteten und Vertriebenen und deren Integration in die Gesellschaft.

Diese Zahl entsprach damals einem Bevölkerungsanteil von rund 37 Prozent.

Wenn wir uns also anlässlich eines solchen Jubiläums die Geschichte unseres Landes in Erinnerung rufen, dann sollten wir bei allen berechtigten tagespolitischen Auseinandersetzungen und Konflikten auch ein wenig Demut zeigen:

Deutschland und insbesondere Niedersachsen geht es so gut wie vielleicht noch nie in seiner Geschichte.

Der Winter steht vor der Tür und es ist ein unglaublich hohes Gut zu wissen, dass in diesem Land niemand verhungern oder erfrieren muss.

Für diejenigen, die die Schrecken des Krieges, aber auch die Entbehrungen der unmittelbaren Nachkriegszeit nicht erleben mussten, mag dies eine Selbstverständlichkeit sein –

Angesichts der furchtbaren Bilder aus den Krisen- und Kriegsgebieten dieser Welt wird jedoch deutlich, in was für einer komfortablen Lage wir uns, bei allen Problemen des Alltags, befinden.

Doch wir in Niedersachsen konnten nicht nur den materiellen Mangel der Nachkriegszeit überwinden:

Wir führen in diesem Parlament lebhafte, zum Teil in der Sache harte, aber überwiegend von einer Kultur des Respekts und der Fairness geprägte Debatten. Auch das ist ein bedeutender Teil unserer Demokratie und damit der Erfolgsgeschichte unseres Bundeslandes!

Gerade in Zeiten in denen gesellschaftliche Kräfte lauter werden, die diese besondere politische Kultur als etwas behandeln, das man einfach achtlos über Bord werfen könne, die auf Spaltung unserer Gesellschaft setzen, müssen wir als Demokraten alle gemeinsam und vor allem entschlossen entgegentreten!

In unserem Bundesland werden regionale Eigenheiten nach wie vor bewahrt, respektiert und mit Stolz gelebt!

Dennoch hat sich hier in den vergangenen 70 Jahren ein starkes Gemeinschaftsgefühl entwickelt, so dass sich Ostfriesen, Braunschweiger, Oldenburger und Hannoveraner längst auch mit dem Land Niedersachsen identifizieren.

Ausnahmen beim Fußball bestätigen dabei natürlich die Regel.

Für eine Fortschreibung der Erfolgsgeschichte unseres Landes stehen wir auch heute wieder vor großen Herausforderungen:

Die technologischen und gesellschaftlichen Umwälzungen unserer Zeit stellen auch die Menschen in Niedersachsen vor große Aufgaben:

Als ein Bundesland, das traditionell von einer starken Industrie und Landwirtschaft geprägt ist, wird es eine besondere Aufgabe der Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik sein, diese Umbrüche zu begleiten.

Unser Ziel muss es sein, den technologischen und gesellschaftlichen Wandel so zu gestalten, dass die Bürgerinnen und Bürger sich mitgenommen fühlen und sich niemand zurückgelassen fühlt.

Gleiches gilt für die Integration jener Menschen, die aus Angst vor Krieg und in größter Not zu uns gekommen sind.

Mit den Erfahrungen aus der Geschichte unseres Bundeslandes können wir angesichts dieser Herausforderungen jedoch optimistisch in die Zukunft schauen.

Entscheidend wird dabei der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft sein. Wir als Sozialdemokraten werden dazu unseren größtmöglichen Beitrag leisten.

Zum 70. Herzlichen Glückwunsch und auf eine erfolgreiche Zukunft.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit

 
    Bildung und Qualifikation     Kommunalpolitik     Niedersachsen     Parteileben
 

 


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