Rede von Johanne Modder MdL, Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion zur Neuregelung des bundestaatlichen Finanzausgleichsystems ab 2020

 
 

Die vor etwas mehr als einer Woche erzielte Einigung zwischen den Ministerpräsidenten der Länder und dem Bundesfinanzminister markiert einen Meilenstein in den Finanzbeziehungen zwischen dem Bund und den Ländern. Der Druck auf alle an den Verhandlungen Beteiligten war enorm hoch, weil klar war, dass eine Einigung in dieser Angelegenheit unbedingt erzielt werden musste.

 

-Es gilt das gesprochene Wort -

Man muss sich die Situation, in der diese Verhandlungen geführt wurden, noch einmal vor Augen führen:

Die sogenannten Geberländer Bayern und Hessen waren fest entschlossen, ihre Klage gegen den Länderfinanzausgleich bei einer ausbleibenden Einigung bis zum Ende durchzufechten und finanzschwache Länder wie Bremen und das Saarland fürchteten angesichts dieser Klage um ihre Existenz.

Dazu sorgte das drohende Auslaufen des Solidarpakts für große Verunsicherung in den neuen Bundesländern. Dort bangte man ebenfalls um die eigene finanzielle Handlungsfähigkeit.

Auf der anderen Seite des Verhandlungstisches wehrte sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit Händen und Füßen gegen höhere Zahlungen an die Länder, obwohl diese mit immer mehr Aufgaben konfrontiert werden.

Wenn man in diese ohnehin schwierige Gemengelage noch miteinbezieht, dass die Schuldenbremse in den Ländern ab dem Jahr 2020 in Kraft treten wird, zeigt sich sehr deutlich, vor welch gewaltigen Herausforderungen die Verhandlungspartner standen.

Dank der soliden und vorausschauenden Haushaltspolitik unserer Landesregierung und unseres Finanzministers Peter-Jürgen Schneider sind wir in Niedersachsen in einer vergleichsweise komfortablen Situation:

Mit dem vorgelegten Entwurf des Doppelhaushalts für die Jahre 2017 und 2018 erreichen wir die „schwarze Null“ weit vor dem Inkrafttreten der Schuldenbremse.

Und wir erreichen sie trotz der deutlichen Mehrausgaben, die durch die Flüchtlingsströme auf uns zugekommen sind.

Wir erreichen sie, obwohl wir auch weiterhin massiv in die Bildung, in die Infrastruktur und die Zukunftsfähigkeit Niedersachsens investieren.

Die Wirtschaft in Niedersachsen floriert und die Steuereinnahmen steigen. Wir haben in Niedersachsen die niedrigste Arbeitslosenquote seit der Wiedervereinigung.

Das alles ist jedoch kein Zufall und keine glückliche Fügung, meine Damen und Herren! Das ist das Ergebnis der harten und erfolgreichen Arbeit dieser rot-grünen Landesregierung und der sie tragenden Fraktionen!

Vor diesem Hintergrund befand sich Niedersachsen in den Verhandlungen über die Neuordnung der Bund-Länder-Finanzen in einer vergleichsweise komfortablen, aber auch in einer gefährlichen Situation:

Während andere Länder aufgrund der eben vorgestellten Ausgangslage klar definierte Sonderinteressen verfolgten, um ihre finanzielle Handlungsfähigkeit zu erhalten, musste es für uns darum gehen, bei all diesen widerstreitenden Interessen nicht unter die sprichwörtlichen Räder zu geraten.

Mit dieser Herausforderung konfrontiert hat unser Ministerpräsident einen hervorragenden Job gemacht!

Niedersachsen wird von diesem ausgehandelten Kompromiss massiv profitieren: Und zwar mit 600 Millionen Euro, die wir ab 2020 jährlich mehr erhalten werden als bisher!

Das sind jährlich netto rund 400 Millionen Euro, wenn man die sog. Entflechtungsmittel abrechnet. Diese waren bis 2019 befristet und werden nun fortgeführt. Ein weiterer Erfolg auch für Niedersachsen.

Außerdem wird der Forschungsstandort Niedersachsen von der beschlossenen Forschungsbundesergänzungszuweisung profitieren, die insgesamt 62 Millionen Euro betragen wird. Und die Förderabgabe für Erdöl und Erdgas wird nur noch mit 33 % in die Finanzkraftberechnung einbezogen.

Ein weiterer Punkt, der uns als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ganz besonders am Herzen lag, ist zudem die teilweise Aufhebung des unsinnigen Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern im Bereich der Investitionen in die Bildung.

Durch die getroffene Vereinbarung wird es endlich möglich gemacht, dass der Bund die dringend benötigten Mittel für die Sanierung und den Neubau von Schulgebäuden in den Kommunen bereitstellen darf.

Diese sicherlich schwierige Einigung sichert langfristig die Existenz der finanzschwächeren Bundesländer und entlastet gleichzeitig die Geberländer durch massiv erhöhte Zahlungen des Bundes.

Das ist angesichts der komplizierten Ausgangslage ein gewaltiger Erfolg für die föderale Struktur der Bundesrepublik Deutschland, aber auch für das Land Niedersachsen. Das kann und das muss man auch in aller Deutlichkeit so sagen!

Der ausgehandelte Kompromiss enthält also viele positive Aspekte für die Bundesländer. Dennoch gibt es auch eine Kröte, die wir schlucken mussten: Die Verwaltung der Bundesfernstraßen soll in Zukunft in die Verantwortung des Bundes fallen und dort in einer Infrastrukturgesellschaft Verkehr gebündelt werden.

Das ist insbesondere für uns in Niedersachsen eine bittere Pille. Für andere Länder mag das in dieser Form nicht gelten, aber bei uns funktioniert die Verwaltung und Planung der Bundesfernstraßen in der bisherigen Form ausgesprochen gut.

Die Beschäftigten der niedersächsischen Autobahn- und Straßenmeistereien sowie der Planungsbüros der Landesbauverwaltung leisten hier wirklich hervorragende Arbeit!

Aus diesem Grund hat Ministerpräsident Stephan Weil bei diesem Verhandlungspunkt auch mit einer Protokollnotiz klar und deutlich zum Ausdruck gebracht, dass Niedersachsen die Übertragung dieser Länderaufgabe ablehnt.

Nun ist es jedoch so, dass es praktisch unmöglich ist, eine Vereinbarung zwischen 16 Bundesländern und dem Bund zu treffen, mit der alle Beteiligten restlos zufrieden sind.

In diesem Zusammenhang ist es auch bemerkenswert, dass sich der Kollege Hilbers von der CDU bereits am Tag der Einigung hinstellt und in einer Pressemitteilung davon spricht, dass Niedersachsen „ein Verlierer“ der Einigung sei.

Ich weiß nicht, wie sie das Wort „verlieren“ definieren, Herr Hilbers, aber wenn Sie jährliche Mehreinnahmen von 600 Millionen Euro und all die anderen Punkte, die ich genannt habe, in eine Niederlage umdeuten, noch bevor sie überhaupt die genauen Details der Vereinbarung kennen, dann kann das doch wirklich kein Mensch mehr ernst nehmen!

Ich gebe ja zu, dass ich ihren Kummer ein bisschen verstehen kann:

Wir sind es, die erstmals in der Geschichte des Landes Niedersachsen einen Haushalt ohne neue Schulden vorlegen.

Wir sind es, die eine historische Neuordnung der Bund-Länder-Finanzen aushandeln, von der Niedersachsen in weiten Teilen profitiert.

Ja, das muss wirklich wehtun.

Der nun vorliegende Kompromiss ist ein Durchbruch nach jahrelangen und zähen Verhandlungen und damit ein großer Erfolg. Es wurden sehr unterschiedliche Interessenlagen in ein tragfähiges Modell gegossen.

Wir in Niedersachsen, können mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein.

Und deshalb geht unser Dank an unseren Ministerpräsidenten Stephan Weil.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

 
    Niedersachsen     Steuern und Finanzen
 

 


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